Geschichte · 3 min

Arno Hamburger

Veröffentlicht
2. Dezember 2025
Sprache
Deutsch
Wer baut, der bleibt: Arno Hamburger

Nach 1945 sieht es so aus, als sei jüdisches Leben in Nürnberg für immer verschwunden. Von einst Tausenden leben am Tag der Befreiung nur noch 38 Jüdinnen und Juden in der Stadt. Die Synagogen sind zerstört, Friedhöfe geschändet, Häuser geplündert, Familien deportiert und ermordet. Doch ausgerechnet in dieser Leere beginnt eine der erstaunlichsten Wiederaufbaugeschichten Deutschlands, getragen von einer kleinen Gruppe Überlebender, die entscheidet:

Wir fangen wieder an.

Heute gehört die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg wieder zu den großen und aktiven Gemeinden Bayerns. Sie zählt tausende Mitglieder, betreibt vielfältige Kultur- und Bildungsarbeit, engagiert sich in der Stadtgesellschaft und ist ein sichtbarer Teil Nürnbergs. Heute geht es um die Geschichte eines bedeutenden Nürnberger Juden: Arno Hamburger.

Im Dezember 1945 wird die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg neu gegründet. Eines der ersten Vorstandsmitglieder ist Adolf Hamburger, der Vater von Arno. Zu Beginn gibt es kein Gemeindehaus, kaum Mittel, keine Strukturen, dafür aber viel Entschlossenheit. Als Adolf Hamburger 1966 aus Altersgründen zurücktritt, erhält er den Titel des Ehrenvorsitzenden - ein stiller Dank für zwei Jahrzehnte Aufbauarbeit. In dieselbe Verantwortung wächst nun eine neue Generation hinein: Arno Hamburger, Adolf Hamburgers Sohn. Er erlebt die Nachkriegszeit als junger Erwachsener, wird später zweiter Vorsitzender und prägt ab den späten 1960er Jahren den sichtbaren, selbstbewussten Wiederaufbau. Unter seiner Mitwirkung verhandelt die Gemeinde mit Stadt und Kirche die würdige Rückführung mittelalterlicher jüdischer Grabsteine. Die Gemeinde wächst wieder, sie baut Strukturen aus, gewinnt Mitglieder und wagt schließlich einen großen Schritt.

Ein neues Zuhause.

Ein Grundstück wird gekauft, im Nürnberger Norden und am 08. September 1984, hundert Jahre nach der Einweihung der großen Hauptsynagoge am Hans-Sachs-Platz. Diese wurde von den Nazis im August 1938, noch vor der Nacht der Schande, abgerissen. Auf dem Platz davor entsteht ein Gedenkstein, der nicht nur an die zerstörte Hauptsynagoge erinnert, sondern auch an die Menschen, die nach dem Krieg überlebt haben und trotz allem geblieben sind und weitergemacht haben. Heute kann man die neue Synagoge sogar als 3D-Rundgang begehen, digitalisiert von einem Gemeindemitglied. 1972 wird Arno S. Hamburger zum 1. Vorsitzenden der IKG Nürnberg gewählt und gleichzeitig in den Stadtrat. Er wird zu einer moralischen Stimme der Stadt, jahrzehntelang, oft unbequem und immer klar. Ein Mann, der erlebt hat, was geschehen ist und daraus Verantwortung ableitet. Die Straße, in der die Synagoge steht, trägt seinen Namen.

Hinweis: Die Synagoge kann über diesen Link als 3D-Rundgang besucht werden: https://my.matterport.com/show/?m=4BHaKNbbYAR