Die Europäische Janusz Korczak Akademie (EJKA) ist eine 2009 in München gegründete jüdische Bildungseinrichtung, die der gesamten Gesellschaft offensteht. Ihr Ziel ist es, durch Bildung, Dialog und Begegnung die jüdische Gemeinschaft zu stärken, sie zu öffnen und Berührungsängste in jeder Richtung abzubauen.
Mit ihren drei Bildungszentren – den Janusz-Korczak-Häusern in München, Berlin und Duisburg – hat sich die EJKA als erfahrener und verlässlicher Partner für Jung und Alt in der Bildungsarbeit etabliert. Besondere Schwerpunkte sind die jüdische Kulturbildung, die historisch-politische Bildung und Erinnerungsarbeit, die Prävention von Antisemitismus sowie der interreligiöse und interkulturelle Dialog. Gerade diese interkulturelle und interreligiöse Ausrichtung öffnet die Angebote für ein breites Publikum – weit über die jüdischen Zielgruppen hinaus. Als Partner der Jewish Agency for Israel verbindet die EJKA lokale Bildungsarbeit mit internationalen Programmen.
Eva Haller, 1948 im rumänischen Timișoara (Temeswar) geboren und in Wien aufgewachsen, ist Publizistin, Aktivistin und eine der treibenden Kräfte jüdischer Bildungs- und Dialogarbeit in Deutschland. Sie studierte Journalismus und Linguistik an der Columbia University in New York und an der Université libre de Bruxelles sowie romanische und semitische Sprachen an der Universität Tel Aviv. Nach Jahren als freie Journalistin und Auslandskorrespondentin und einem langen Aufenthalt in Italien kam sie 2006 nach München, wo sie zunächst die Jugendabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde leitete.
2009 gründete sie gemeinsam mit Stanislav Skibinski die Europäische Janusz Korczak Akademie, die sie seither ehrenamtlich als Präsidentin leitet. Für ihr Engagement wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2018 mit der Medaille „München leuchtet"; 2026 wird ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr außergewöhnliches Engagement im Bereich jüdischer Bildungs-, Kultur- und Dialogarbeit verliehen. Als Präsidentin ist sie zentral in die Vergabe des Janusz-Korczak-Preises für Menschlichkeit eingebunden.
Dr. Stanislav Skibinski
Geschäftsführender Vorstand - Direktor - stanislavskibinski@ejka.org
Dr. Stanislav Skibinski, geboren und aufgewachsen in St. Petersburg, lebt seit 1998 in München. Er ist promovierter Pädagoge und arbeitet für die Jewish Agency for Israel als Senior Representative und Direktor der Bildungsprogramme in Deutschland. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftigt er sich – als Wissenschaftler wie als Praktiker – mit Janusz Korczaks „Pädagogik der Achtung"; u. a. baute er die Online-Plattform Didaktis für deutschsprachige jüdische Lehrmaterialien mit auf.
Als Mitgründer und Direktor prägt Skibinski die inhaltliche Ausrichtung der Akademie. Für ihn sind Korczak und der Gedanke des Tikkun Olam – die „Reparatur der Welt" durch Bildung – nicht voneinander zu trennen; dieser Leitgedanke bestimmt das Programm der EJKA.
Dr. Boris Ginzburg
Vorstand - borisginzburg@ejka.org
Dr. Boris Ginzburg, geboren in Moskau, ist ein renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet komplexer technischer Systeme und lebt seit 2003 in München. Er ist Autor von 152 wissenschaftlichen Arbeiten, darunter vier Monografien und zwei Lehrbücher, sowie Urheber von 80 Erfindungen. Im Vorstand der EJKA konzentriert er sich auf die Programmgestaltung, mit besonderem Interesse an der Einbeziehung von Menschen mit Migrationshintergrund.
Beirat
Der Beirat versammelt Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, jüdischem Leben und internationaler Korczak-Arbeit, die die Akademie mit Rat und Erfahrung begleiten.
Nancy AmielVorsitzende von Paideia International, New York.
Judith EpsteinHadassah International, Repräsentantin bei den Vereinten Nationen in Genf; Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.
Dr. Michael EpsteinPräsident der Janusz Korczak World Association in Russland.
Michael FischbaumEhemaliger Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.
Karl FrellerMitglied im Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie regionale Beziehungen und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.
Batia GiladEhemalige Präsidentin der Janusz Korczak World Association (Polen) und Vorstandsmitglied der Janusz Korczak Association in Israel; international ausgewiesene Kennerin des Korczak'schen Erbes.
Eva HallerMentorin, Philanthropin und Aktivistin für soziale Gerechtigkeit, Bildung und Frieden, Santa Barbara / USA.
Prof. em. Dr. Reza KhorsaniHafenCity Universität, Hamburg.
Dr. h. c. Charlotte KnoblockPräsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und Commissioner for Holocaust Memory des Jüdischen Weltkongresses. Holocaust-Überlebende.
Prof. Dr. Rudolf Wolfgang LangenbucherEhem. Vorstand des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.
Prof. Prof. Dr. Thomas RuzickaDermatologe, ehemaliger Klinikdirektor an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
EJKA-Team
Ein engagiertes Team aus Pädagog:innen, Projektleiter:innen, Kulturschaffenden und Ehrenamtlichen trägt die Arbeit der Akademie an den Standorten München, Berlin und Duisburg.
Über Janusz Korczak
Janusz Korczak1878 - 1942
Janusz Korczak – eigentlich Henryk Goldszmit, geboren 1878 oder 1879 in Warschau, ermordet 1942 im Vernichtungslager Treblinka – war Arzt, Pädagoge und Schriftsteller und gilt als einer der großen Vordenker der Kinderrechte. Als Kinderarzt in Warschau wandte er sich früh der Frage zu, wie eine Erziehung aussehen kann, die das Kind nicht als unfertigen Erwachsenen begreift, sondern als vollwertigen Menschen mit eigener Würde, eigenen Rechten und einer eigenen Gegenwart.
Ab 1911 leitete er das jüdische Waisenhaus Dom Sierot, das er zu einem für seine Zeit radikal reformpädagogischen Ort machte: mit einem Kinderparlament, einer eigenen Zeitung und einem Kameradschaftsgericht, vor dem Kinder wie Erzieher gleichermaßen zur Verantwortung gezogen werden konnten. Diese „Pädagogik der Achtung", die Korczak in zahlreichen Büchern niederlegte – darunter „Wie man ein Kind lieben soll" und „Das Recht des Kindes auf Achtung" –, war ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus und wirkt bis in die UN-Kinderrechtskonvention nach.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde auch Korczaks Waisenhaus in das Warschauer Ghetto zwangsverlegt. Unter unmenschlichen Bedingungen hielt er für die Kinder eine Art geschützten Alltag aufrecht. Mehrere Angebote, sich selbst in Sicherheit zu bringen, schlug er aus. Anfang August 1942 begleitete er seine Waisen bei der Deportation nach Treblinka, bis zuletzt an ihrer Seite. Hier endete sein Leben. Seine Ideen, seine Hingabe und seine tiefe Menschlichkeit wirken bis heute nach.
Warum Janusz Korczak für uns?
Für die Akademie ist Janusz Korczak nicht nur Namensgeber, sondern Kompass. Er steht für den Gedanken des Tikkun Olam, der „Reparatur der Welt", durch Bildung und Erziehung. Was Korczak mit jüdischen Kindern in dunkelster Zeit vorlebte, ein offenes, auf Respekt und Selbstverantwortung gegründetes Miteinander, verstehen wir als bleibende Herausforderung und als Auftrag für unsere eigene Bildungsarbeit.
Konkret wird dieser Anspruch in unseren Formaten: in Workshops, Seminaren und Projekttagen, in denen junge Menschen Selbstwirksamkeit, kritisches Denken und Verantwortung füreinander erproben; in der Erinnerungsarbeit und der antisemitismuskritischen Bildung; im interreligiösen und interkulturellen Dialog. Korczaks Haltung, das Kind, den Menschen ernst zu nehmen, ist dabei der Maßstab, an dem wir unsere Arbeit ausrichten.