Geschichte · 4 min
Familie Bing aus Gunzenhausen
- Veröffentlicht
- 2. Dezember 2025
- Sprache
- Deutsch

Der 1818 geborene Salomon Bernhard Bing, Hopfenhändler aus dem oberfränkischen Memmelsdorf, beabsichtigte 1853, seinen Wohnsitz nach Gunzenhausen zu verlegen. In seinem Gesuch vom 4. Januar an den Stadtmagistrat begründete er diese Absicht u.a. damit
„(…) meinen Wohnsitz in einem größeren Orte und namentlich in der Stadt Gunzenhausen, allwo für meine Kinder die erwünschten Bildungsschulen vorhanden sind (…) Ich wähle auch insbesondere die Stadt wegen ihrer vorteilhaften Lage zum Einkauf des Hopfens, wozu die dortige Umgebung und Gelegenheit bietet und wegen ihrer Lage an der Eisenbahn, wodurch mir die Beförderung meines Hopfens sehr erleichtert (…).“
Bing, zu diesem Zeitpunkt in zweiter Ehe verheiratet und Vater von fünf Kindern, gab sein Vermögen mit 18.000 Gulden an. Die Zustimmung des Magistrats zu seiner Aufnahme erfolgte bereits am 22. Januar, das Bürgerrecht erhielt er wenig später.
Der aus erster Ehe stammende Sohn Ignaz (geb. 1840 Memmelsdorf gest. 1918 Nürnberg) führte zusammen mit einem Bruder ab 1863 einen Kurz- und Manufakturwarengroßhandel in Gunzenhausen.
Im selben Jahr beantragte er die Mitgliedschaft im örtlichen Gesangverein Liederkranz, welche die Vorstandschaft ohne Einwände beschloss. Anders verhielt es sich mit seinem Antrag zur Aufnahme in die elitäre Casinogesellschaft, die mit dem Vermerk „weil Jude“ abgelehnt wurde. Ignaz Bing vermutete, dass diese Entscheidung auf Betreiben des einflussreichen Landrichters Hermann Richter zu Stande kam und veröffentlichte deshalb in der Lokalzeitung einige Spottgedichte mit dem Titel „Neue Sprüche des Demokritos“, u.a. dieses:
„Wohl tut gut, der suchet zu verkaufen, was ihm nicht frommt, was er nicht fassen kann. Wollt Ihr erwerben Jean Paul’s Meisterwerke, fürwahr, ich weiss Euch wohl den rechten Mann. Bei dem könnt Ihr sie neu und äußerst billig haben, was will, der selbst nichts denkt, mit eines Dichters Gaben?”
Damit bezog sich Bing auf die Tatsache, dass Landrichter Richter als Enkel des bekannten Schriftstellers Jean Paul wiederholt mit Zeitungsinseraten Bücher aus dessen Nachlass zu veräußern suchte.
Ob die Ablehnung durch die Casinogesellschaft oder bessere berufliche Aussichten ausschlaggebend waren, ist unbekannt, jedenfalls ging Bing 1865 nach Nürnberg.
Dort eröffnete er zunächst einen Laden für Kurzwaren, später ergänzt durch Metall- und Galanteriewaren. Seit Reichsgründung erweiterte er kontinuierlich sein Produktangebot an Metallwaren und der Absatzmarkt dehnte sich auf ganz Deutschland, Europa und bis nach Amerika aus. 1895 beschäftigte Ignaz Bing 1.000 Arbeiter und erhielt wegen seiner Verdienste die Titel „Königlicher Kommerzienrat“ bzw. „Geheimer Kommerzienrat“. Mit seinem Bruder Adolf zusammen gründete Bing in Nürnberg eine Großhandlung für Blechspielwaren.
Zur Gemeinde Streitberg in der Fränkischen Schweiz stand er in einer besonderen Beziehung. Jahrelang hielt er sich dort zur Erholung auf und unterstützte den Ort vielfach, weshalb er zum Ehrenbürger ernannt wurde.
Die heute noch bekannte „Bing-Höhle“ geht auf eine zufällige Entdeckung von Ignaz Bing zurück, der noch bis zu seinem Tode mit dem Gunzenhausener Familienzweig in Kontakt stand.
Vor dem Ersten Weltkrieg bezeichnete die Firma Bing sich als „größte Spielwarenfabrik der Welt“. Ob das stimmt ist fraglich, aber tatsächlich fanden sich Bing-Spielwaren in Wohnzimmern von Mittelfranken bis nach Amerika.
