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Kunst im digitalen Zeitalter. Die neuen Wege zum Publikum

Veröffentlicht
30. September 2021
Sprache
Deutsch
Projekt
EJKA
Publikation: „Kunst im digitalen Zeitalter. Die neuen Wege zum Publikum.“

Dr. David Friedmann.

Vor mindestens 40.000 Jahren entstanden die ersten kreativen Werke durch die Steinzeitkünstler. Sie waren damals zwar primitiv, aber bahnbrechend. Sich kreativ auszuleben und das kreative Schaffen der Gemeinschaft zu präsentieren, gehört somit seit vielen Tausenden von Jahren zur sozio-kulturellen Natur der Menschen.

Seitdem wechselten sich unterschiedliche Kunstepochen ab, stets inspiriert durch kulturelle, soziale und auch politische Einflüsse. Manche co-existierten. Andere wurden modernisiert, wiederbelebt und neu interpretiert. Doch bis zur Geburt des Internets, dassehr viele Bereiche unseres Lebens, wie z. B. Kommunikation und soziale Interaktion, digitalisiert hat, bedienten sich die Menschen immer ähnlicher Wege, um ihre Schöpfungen den Rezipienten nahezubringen.

Als sich das globale Netz von Text und Indexverzeichnissen zu einem multimedialen Ort entwickelt hat, veränderte der damit einhergehende digitale Wandel auch unsere Welt. Er führte zu einer Erosion der alten Weltordnung.

Bisher analoge Prozesse laufen seitdem digital ab, auch unser Konsum von Kunst und Kultur. Musik, Filme, aber auch diverse Kulturobjekte sind plötzlich im Netz frei zugänglich. Das Internet gibt Künstlern die Möglichkeit, sich weltweit digital zu präsentieren, anstatt physisch an einem Ort.

Doch dieser Wandel hat der Kunst- und Unterhaltungsindustrie nicht nur Vorteile gebracht. Die bekannten Musiktauschbörsen Napster und Co., auf denen Interessenten Musik hochladen und Dritten kostenfrei zum Download anbieten konnten, haben für Umsatzeinbußen in der Musikindustrie gesorgt, bis es für dieses neue Phänomen entsprechende Regulierungen gab. Heute bieten Spotify, Netflix und Co. Inhalte gegen Entgelt an, ohne dass die Konsumenten diese Inhalte wie früher besitzen. Der Kauf einer CD ist durch Streaming ersetzt worden. Auch im Bereich Kunst hat sich ein neues Konsumverhalten etabliert, begünstigt durch die permanente Verfügbarkeit von digitalen Inhalten und den Ausbau von Serverleistungen und Netzstrukturen. Das digitale Zeitalter der Kunst hat somit begonnen.

Ein digitales Kunstwerk funktioniert nicht anders als eine digitale Währung, z. B. die KryptoWährung Bitcoin. Daher wird sie auch als Crypto-Art , Krypto-Kunst, oder NFT-Kunst bezeichnet. Hinter der Abkürzung steckt der Begriff des Non-Fungible Tokens (NFT). Bei einem NFT handelt es sich um ein nicht ersetzbares, digital verschlüsseltes Objekt, in diesem Fall ein digitales Krypto-Kunstobjekt. Diese digitalen Kunstwerke sind über die Blockchain gesichert und einem bestimmten Eigentümer zugeordnet. Sie sind einzigartig und können als digitale Originale verkauft, gekauft und gesammelt werden.

Obwohl sich dieses Vorgehen futuristisch anhört, sind bereits erste Verkäufe von NFTKunstwerken abgewickelt worden, zum Beispiel der Verkauf des Kunstwerks „Block 21“ von Robert Alice am 07.10.2020 beim renommierten Auktionshaus Christie’s. Der Verkaufspreis lag bei 131.250 US-Dollar. Im März 2021 wurde durch die Versteigerung von Beeples „Everydays: First 5000 Days“ durch das gleiche Aktionshaus ein Endpreis von 69 Millionen USDollar erzielt.

Die Vorteile der digitalen NFT-Kunst sind die schnellen Wege zum Publikum, das Novum, das die digitale Kunst mit sich bringt, sowie die Verbindung zur Krypto-Währung als Zahlungsmittel in einer Welt, die einer fortschreitenden Digitalisierung unterliegt.

Digitale Kunst hat das Potenzial, Brücken zu bauen und Kunstliebhaber-Communities virtuell zu verbinden. Über die Werbe-Funnels oder durch entsprechende Postings können Kunstschaffende das Publikum aus den sozialen Netzwerken direkt in die virtuellen Galerien oder Online-Kunstshops lenken, auch Kunstversteigerungen werden zunehmend virtuell stattfinden.

Wird die digitale Kunst die analoge ersetzen? Davon ist in der näheren Zukunft nicht auszugehen. Die NFT-Kunst ist kein Ersatz, vielmehr handelt es sich bei ihr um eine digital verschlüsselte Simulation des Kunstmarktes. Genau wie Bitcoin zu analogen Geldscheinen wird NFT-Kunst mit analoger in Co-Existenz treten und mit Sicherheit ihre Liebhaber und Investoren finden. Denn Kunst erfüllt unter anderem eine wichtige Aufgabe: Sie schafft Werte, auch monetäre.

Es ist damit zu rechnen, dass sich diese Werte wie auch Kryptowährungen volatil entwickeln. Aber Kunst war schon immer spekulativ und gerade die Werke legendärer Maler wie Leonardo da Vinci, Pablo Picasso, Francis Bacon oder Amedeo Modigliani werden für dreistellige Millionenbeträge gehandelt. Der Wert der „Mona Lisa“ von Michelangelo, die aktuell im Pariser Louvre ausgestellt wird, beträgt 2021 schätzungsweise 843 Millionen USDollar. Es gibt keinen Grund dafür, dass nicht auch die NFT-Kunst zukünftig ähnliche Werte generiert. Der Anfang ist bereits gemacht.