Die Europäische Janusz Korczak Akademie ist ein Partner der Jewish Agency for Israel.

Jüdische Frauenschicksale aus Berlin

Jüdische Frauenschicksale aus Berlin

Jüdische Frauenschicksale aus Berlin

In Janusz Korczak Haus Berlin neigt sich das Projekt „Jüdische Frauenschicksale aus Berlin“ dem Ende zu, daher wollten wir hier diejenigen teilhaben lassen, die nicht die Möglichkeit hatten, sich mit diesen Frauen zu beschäftigen.

Innerhalb des Projekts lernten wir Ruth Schwiening und ihre Glasmalerei kennen, sie erzählte uns von ihrem Schicksal und führte uns durch die Ausstellung ihrer Kunst, außerdem beschäftigten wir uns intensiv mit Naomi Frenkel, wir sprachen über die Fotografien Galina Zerninas, die von Frenkel inspiriert wurden und sich thematisch mit ihr beschäftigen, und nahmen Naomi Frenkels Vortrag als Grundlage für eine lebhafte Debatte mit dem Debattierclub J-DebatEck. Katja Petrowskaja las aus ihrem Buch „Vielleicht Esther“ und wir konnten ihr anschließend Fragen stellen. Das Ganze wurde mit dem Spiel „The Hat“ abgeschlossen.

Weiter unten können Sie sich näher mit den Schicksalen der Frauen bekannt machen und Impressionen aus den vergangenen Treffen ansehen.

Ruth Schwiening

Ruth Schwiening (geb. Auerbach) wurde 1935 in der Nähe von Breslau geboren. Die ersten Lebensjahre verbrachte sie auf dem Bauernhof. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste die Familie ihr Anwesen verlassen. Die Auerbachs flohen in ein Dorf in Österreich.

Nach der Annexion Österreichs beschloss die Familie über Berlin nach England zu fliehen. Der Vater konnte seine Frau und Kinder nicht begleiten, in der Pogromnacht wurde er erst ins Gefängnis gebracht, und später ins KZ Dachau. Auch die Mutter schaffte es nicht, ein Visum zu bekommen. Sie konnte jedoch die dreijährige Ruth mithilfe eines Kindertransports nach England schicken und so die Tochter vor der Shoa retten. Ohne Eltern und Geschwister traf Ruth am 3. Februar 1939 in Harwich ein. 

Ein Jahr lang lebte sie in einer liebevollen Familie in London. Dank eines engagierten Botschafters, der sich seiner Regierung widersetzte, konnte die Familie nach Großbritannien nachkommen und selbst der Vater konnte aus dem KZ befreit werden.

Heute setzt sich die Fremdsprachenlehrerin und Glasmalerei-Künstlerin gemeinsam mit ihrem Mann für nach Großbritannien geflüchtete Menschen ein und engagiert sich ehrenamtlich als Zeitzeugin.

Naomi Frankel

Naomi Frankel (20.11.1918-20.11.2009) wurde in eine bekannte, reiche und assimilierte jüdische Berliner Familie geboren. Ihre Mutter starb bereits als sie zwei Jahre alt war, ihr Vater als sie 14 war. Ein Wächter kümmerte sich um sie und half ihr 1933 nach Palästina zu fliehen. Sie machte eine Vorbereitung für landwirtschaftliche Arbeit in Jerusalem, lebte eine Zeit lang in einem Waisenhaus und ließ sich später in dem Kibbuz Beit Alfa nieder. In ihrem Leben beschäftigte sie die Frage "Wer ist ein Jude und was macht einen Juden aus?“. Sie wandte sich nach Antworten an die Thora, sie trat Kibbuzen bei, sie fing an zu schreiben und sie ging nach Berlin, um das was vom Faschismus übriggeblieben war, für ihre Trilogie zu erforschen – dadurch sah sie die Thematik aus unterschiedlichsten Perspektiven. Durch die Recherchearbeiten für ihre Bücher war sie in der Lage zurück nach Berlin zu gehen, wo sie Menschen traf, die den Krieg überlebt hatten. Sie traf Menschen von beiden Seiten - aus dem Widerstand und ehemalige Nazis.

1956 begann sie Romane zu schreiben und bekannt wurde Naomi durch ihre Trilogie „Saul und Joanna“. Sie schrieb vier weitere Romane, sowie etliche Kinderbücher.

 

Katja Petrowskaja

Katja Petrowskaja ist eine ukrainisch-deutsche Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin und Journalistin. 1999 zog sie nach Berlin, um als Journalistin für verschiedene russische Medien zu berichten. Katja Petrowskaja schreibt ihre Texte auf Deutsch und nicht in ihrer Muttersprache Ukrainisch oder Russisch. 2013 nahm sie am Wettbewerb zum Ingeborg-Bachmann-Preis teil und gewann den Hauptpreis mit einem Auszug aus ihrem Werk Vielleicht Esther, der gleichnamigen Erzählung, die eine der Geschichten des Werkes ist.

 

Ihr Buch Vielleicht Esther ist eine fragmentartige Zusammensetzung von Geschichten, die ein Teil ihrer Geschichte sind – sie erzählt von den Schicksalen ihrer Vorfahren, und erzählt damit auch die Geschichte der Kiewer Juden in Zeiten des Zweiten Weltkriegs.