Die Europäische Janusz Korczak Akademie ist ein Partner der Jewish Agency for Israel.

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ÜBER DIE LEHRPLATTFORM

In den vergangenen Jahren haben wir in der Europäischen Janusz Korczak Akademie festgestellt, dass zu den wichtigsten Feldern im Bereich der jüdischen Erwachsenenbildung erfolgreiche Projektarbeit und Medienkompetenz gehören. Aus diesem Grund wurden am Janusz Korczak Haus München 2013 resp. 2014 zwei Kompetenzzentren ins Leben gerufen: das unter der Schirmherrschaft des Vorsitzenden der Jewish Agency for Israel Natan Sharansky stehende Jüdische Zentrum für Medienkompetenz, die erste Einrichtung solcher Art in Deutschland, sowie das von der Jewish Agency in Israel in Kooperation mit der Europäischen Janusz Korczak Akademie stehende Nevatim-Kolleg zur Vermittlung des Know-hows für jüdische Gemeinschaftsprojekte. Im Rahmen des Nevatim-Kollegs bildet „Medienkompetenz und Leadership“ einen von drei Lehrgängen und zielt auf eine Vorbereitung der Teilnehmenden auf die Durchführung von medialen Projekten für die jüdische Community, zur Verbesserung des Images der Juden in Deutschland sowie zur Bekämpfung von Antisemitismus und der Delegitimierung des Staates Israel.

Die vorliegende Webseite ist vor diesem Hintergrund entstanden. Sie bildet Unterrichtsmaterialien für die Teilnehmenden am Nevatim-Kolleg. Darüber hinaus ist es das Ziel dieser Lehrplattform, dass sämtliche deutschsprachige jüdische Institutionen und Graswurzelprojekte davon profitieren, da es grundlegende Informationen beinhaltet, die sowohl für aktiven wie passiven Mediengebrauch als auch für jegliche mediale Projektarbeit in der jüdischen Community relevant sind.

Die Jahre seit Beginn der jüdischen Einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland haben die Strukturen der Gemeinden und anderer jüdischer Institutionen aufgeschüttelt und vor Herausforderungen gestellt, die vor 1990 auf einen kleineren jüdischen Kreis nicht zutrafen. Darunter fallen auch mediale und Öffentlichkeitsarbeit, denn eine größere jüdische Community wird nun mehr gehört und steht auch mehr im Scheinwerferlicht der allgemeinen Öffentlichkeit. Damit steigt für jüdische Handelnde auch die Verantwortung, medial aktiv zu werden und aus ihrem Leben zu berichten.

Zu dem Wandel, den das jüdische Leben in Zentraleuropa durchlief, kommt der Wandel der Medienlandschaft hinzu. Mit sozialen Netzwerken und neuen technischen Möglichkeiten kann man sein Publikum viel einfacher und direkter erreichen, gleichzeitig aber lassen sich die Folgen der eigenen medialen Aktivität viel schwieriger kontrollieren.

Diese beiden Umbrüche führen innerhalb der jüdischen Welt zu einer sichtbaren Unsicherheit in Bezug auf die richtigen Mittel und Wege im Bereich mediale und Öffentlichkeitsarbeit. Mit dem vorliegenden Handbuch wollen wir zur Überwindung dieser Unsicherheit beitragen und hoffen, der Diskussion wertvolle Impulse zu geben.
 
Wir haben vier verschiedene Bereiche identifiziert, in welchen wir ansetzen möchten. PROJEKTE? umfasst neben wichtigen Tipps zur Projektentwicklung auch Beispiele aus der Praxis dreier jüdischer medialer Projekte aus der neuesten Vergangenheit. Im Bereich MEDIEN? werden einschlägige Medienformate vorgestellt. Natürlich kann in einem solchen engen Rahmen nicht jedes Format ausführlich besprochen werden, jedoch können die Anleitungen für die wichtigsten Punkte, die es zu bedenken gilt, sensibilisieren und beinhalten wichtige Stichpunkte und Hinweise zum weiterführenden selbständigen Studium. In dem Bereich JÜDISCHE? rücken die wichtigsten Themen, die für die jüdische Community von besonderem medialen Interesse sind, in den Mittelpunkt. Natürlich erhebt diese Auswahl keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr bildet sie einen Schnittpunkt zwischen jüdischen Themen und medialen Herausforderungen. Wir haben uns entschieden, auf diesen Schnittpunkt zu beschränken, da ausreichend Information zu diesen beiden Bereichen, sofern sie sich nicht überschneiden, vorhanden ist – sowohl bei jüdischen Themen, die nicht auf mediale Verarbeitung angewiesen sind, als auch bei medialen Aufgaben, die Juden auf die gleiche Weise betreffen wie Nichtjuden.

Schließlich beinhaltet unsere Lehrplattform eine umfangreiche kommentierte Sammlung von RESSOURCEN. Darin sind nicht nur deutschsprachige jüdische Printerzeugnisse, Radiosendungen und Webseiten rund ums Judentum und das jüdische Leben versammelt, sondern auch die wichtigsten zugänglichen Erzeugnisse aus dem Ausland sowie eine Übersicht über die zentralen Hintergrundpublikationen und Blogs zur Medienarbeit gegen die Delegitimierung Israels. Die sensible Informationen beinhaltende Ressourcensammlung ist nur nach dem Einloggen zugänglich.

Die vorliegenden Texte sind nicht als direkte Anleitungen zur Erschaffung neuen medialen Inhalts zu sehen, sondern als Impulse und Ideen, die untereinander kombiniert werden können. Zwar sind viele Überschriften als Fragen formuliert, was den Charakter eines Q & A bei dieser Materialiensammlung unterstreichen soll, doch sind, wie man sehen kann, die Antworten keinesfalls abschließend, sondern bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten. Im Übrigen gilt dies auch für Meinungen: Als Herausgeber_innen behalten wir uns vor, ein weites Spektrum von Positionen zu präsentieren, auch wenn diese teilweise im Widerspruch zu einander stehen. Als eine Institution, die der Erziehung zur Demokratie verpflichtet ist, erachten wir Meinungspluralismus als erstrebenswert.
 
Zum Abschluss ein paar Bemerkungen zur Sprache. Bei der Ansprache des Lesers haben wir uns für ein persönliches „du“ entschieden, um unnötige Distanz zu vermeiden. Um alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einzuschließen, haben wir uns bemüht, genderneutrale Wortendungen zu verwenden – mal durch die zusätzliche Nennung der weiblichen Form oder die nd-Form, mal durch den sogenannten Gender Gap –, ohne den Textfluss und die Lesbarkeit zu beeinträchtigen. In einigen Fällen haben wir deshalb maskuline Endungen belassen – wie beim Plural „Juden“, bei welchem trotz der maskulinen Wortform alle Gender-Identitäten beinhaltet sind.
 
Wir bedanken uns bei der Genesis Philanthropy Group und der Jewish Agency for Israel, ohne deren großzügige und umfangreiche Unterstützung dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre.
 
Alexander Rasumny
Projektleiter Lehrplattform "Medienprojekte erfolgreich gestalten"

 
GRUSSWORT DER EUROPÄISCHEN JANUSZ KORCZAK AKADEMIE

Ein Wort vorweg

Über 25 Jahre nach Beginn der jüdischen Einwanderung nach Deutschland aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion kann man mit Fug und Recht von einem neuen Status Quo der jüdischen Gemeinden und des gesamten jüdischen Lebens in Deutschland sprechen. Der Zuwachs wurde dabei jahrelang begleitet von Textbausteinen wie „größte Veränderung seit 1945“, „riesige Herausforderung“ und so weiter. Heute können wir feststellen: Ja, wir haben uns vergrößert. Ja, jüdisches Leben ist bunter und vielfältiger geworden. Und ja, all das ist gut so.

Mit der Präsenz wuchs auch die  Öffentlichkeit. Jüdisches Leben in Deutschland fand in den letzten Jahren eine gesteigerte Aufmerksamkeit in den Medien. Es wurde „sichtbarer“ – und meist vermittelt durch die Außenperspektive der Mehrheitsgesellschaft. Es ist ein Zeichen einer funktionierenden Demokratie, wenn sich einzelne Gemeinschaften in sogenannten zielgruppenorientierten Medien selbst zu Wort melden können und dies auch tun. Wer sich frei in Wort und Tat zu seiner jüdischen Identität bekennt, der lebt die Werte einer freien Gesellschaft vor.

Die jüdische mediale Stimme – von orthodox bis liberal, von säkular bis zu jüdischen Vereinen und Initiativen – hat dabei mehrere Funktionen: Sie dient natürlich der Kommunikation innerhalb der jüdischen Community. Als „authentische“ Wortmeldung wird sie zugleich durchaus auch von der Allgemeinheit, von Interessierten und Meinungsmachern als Informationsquelle gesehen. Sie verrichtet also im eigentlichen Wortsinne Öffentlichkeitsarbeit mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Und last but not least fungiert sie als Regulativ zur erwähnten, von den Medien transportierten Außenansicht. Die mediale Stimme der jüdischen Gemeinschaft zeichnet ein Bild unserer gelebten Vielfalt.

Das jüdische Wort mit medialer Reichweite muss mit Bedacht, Klarheit und Verantwortung ausgesprochen werden. Über Jahre haben wir in der Europäischen Janusz Korczak Akademie die Erfahrung gemacht, dass der Bedarf an Professionalisierung unter den jungen, jüdischen Medienschaffenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz enorm ist – umso mehr vor dem Hintergrund eines sich immer öfter offen zeigenden Antisemitismus in unserer Zeit. Authentische jüdische Stimmen aus den Gemeinden ebenso wie aus den zahlreichen unabhängigen Initiativen waren gefragt. Als Antwort darauf riefen wir zunächst im Herbst 2013 das Jüdische Zentrum für Medienkompetenz ins Leben, die erste derartige Einrichtung im deutschsprachigen Raum. Und auch die Lehrplattform Medienprojekte erfolgreich gestalten. Themen – Methoden – Beispiele. Eine Lehrplattform für die jüdische Community spricht dieselbe, äußerst wichtige Zielgruppe an: junge, jüdische Medienschaffende. Die Lehrplattform bietet eine Übersicht über verschiedene Medienformate, gibt wertvolle Tipps zur Projektarbeit und umfasst einen Themenkatalog fürs erste Brainstorming sowie Recherchemöglichkeiten und Ressourcensammlungen. Im Rahmen des Jüdischen Zentrums für Medienkompetenz der Europäischen Janusz Korczak Akademie wird damit ganz nebenbei auch eine Möglichkeit geschaffen, dieses Wissen für andere Minderheiten mit Migrationshintergrund als Pilotprojekt anzubieten und nutzbar zu machen.

Wir freuen uns, dass wir zahlreiche prominente Persönlichkeiten der jüdischen und israelsolidarischen Öffentlichkeit als Autoren gewinnen konnten. Und ebenso freut es uns, dass die Plattform nicht allein in Form eines Handbuches, sondern auch als E-Book und Website zur Verfügung stehen wird. Dies verdanken wir der großzügigen Unterstützung der Genesis Philanthropy Group sowie der Jewish Agency for Israel.

„Was Juden untereinander verbindet, sind Texte“, schrieb Amos Oz einmal – wohl wissend, dass es schlussendlich das Wort ist, das den Mensch mit dem Menschen verbindet.

Damit wünsche ich eine interessante Lektüre, die wortreich macht.

Eva Haller, Präsidentin
Dr. Stanislav Skibinski, Direktor
Europäische Janusz Korczak Akademie
München 2016

GRUSSWORT DER GENESIS PHILANTHROPY GROUP

Lieber Leser,
 
Das vorliegende Handbuch ist eine Reaktion auf eine schwierige Zeit für das jüdische Volk. In Deutschland ebenso wie in vielen anderen Ländern Europas und an den großen Universitäten Amerikas werden die Förderung und Verteidigung jüdischer Werte und das Parteiergreifen für den jüdischen Staat mit jedem Tag gefährlicher. Von den althergebrachten Ritualen des Judentums bis zur schieren Existenz des jüdischen Nationalstaats eröffnet eine unheilige Allianz von Antizionisten, Antisemiten, Boykotteuren und Propagandisten, eine Phalanx aus Intoleranz und Bigotterie, Doppelmoral und vollabsichtlicher moralischer Blindheit ständig neue Fronten und setzt neue Maßstäbe der Unverfrorenheit. Gegen Vorurteile, Verleumdung und offene Hetze selbstbewusst vorzugehen, wird zur unumgänglichen Pflicht.
 
Siebzig Jahre nach dem Holocaust sehen wir uns erneut mit den Schatten der Geschichte konfrontiert, die wir bisher außerhalb der Reichweite menschlicher Vernunft sicher vergangen wähnten. Die alten Schrecken erleben, in erneuerter Form, eine Renaissance. Antiisraelische Rhetorik verwandelt sich zunehmend in antisemitische Hetze, die historischen Anrechte und das geistige Erbe unseres Volkes werden durch Verdächtigungen und Ignoranz besudelt – der Jude erscheint als privilegierter weißer Kriegstreiber und nicht als von fanatischem Hass bedrohtes Opfer.
 
Anders als in der Vergangenheit gehen Versuche zur Delegitimierung Israels und jedes Anfluges einer jüdischen Nationalstaatsbewegung nicht länger vom wütenden Mob aus, sondern von Pseudo-„Intellektuellen“ aus dem akademischen Bereich und der Studentenschaft, einer Klientel, die sich auf eine so gekonnte wie zynische Verschmelzung von Halbwahrheiten und offenen Lügen zu einem glaubwürdigen, aber vollkommen falschen Bild von jüdischer Schuld spezialisiert haben. Einsatz und Leidenschaft sind nicht genug, um ihnen entgegenzutreten. Die Verteidiger des jüdischen Volkes müssen sich auf die Fakten ebenso verstehen wie auf die Feinheiten der Debatte, um den Gegnern und Verleumdern von Juden, Judentum, Zionismus und Israel entgegentreten und ihre Lügen überall bloßstellen zu können, wo sie geäußert werden: In den Universitäten, am Arbeitsplatz, im Internet, in den Medien und in sozialen Netzwerken.
 
Bisher fehlte es der jungen Generation der russischsprachigen Juden in Deutschland am nötigen Wissen und der praktischen Unterstützung in ihrem Bestreben, unsere Werte zu befördern und zu verteidigen. Um dieses Problem zu lösen, hat die Europäische Janusz Korczak Akademie mit Unterstützung von GPG Germany in München das ‚Media Leadership and Competence Program‘ aufgelegt, um einerseits Lehrmaterialien herzustellen und andererseits ausgewählte junge jüdische Medienexperten und Public-Relations-Fachkräfte im Umgang mit diesen Ressourcen auszubilden, sodass sie wirksam für die in Deutschland lebenden Juden sprechen und antisemitischen Verbalattacken sowie antiisraelischer Rhetorik begegnen können.
 
Das Buch, das Sie in Händen halten, ist nur ein kleiner Teil dieser Pionierarbeit, auf die wir bei der Genesis Philanthropy Group sehr stolz sind. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das neu erworbene Wissen und die erworbenen Fähigkeiten einsetzen können, um dadurch unsere gemeinsame Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere staatliche Zukunft zu verteidigen.
 
Sana Britavsky
Deputy CEO/Chief Content Officer, Genesis Philanthropy Group
 
Übersetzung: Richard Volkmann

GRUSSWORT DER JEWISH AGENCY FOR ISRAEL
 
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

das europäische Judentum ist in Bewegung. Immer mehr Juden aus Europa treffen für sich und ihre Kinder die Entscheidung, dass die Zukunft woanders liegt - und so war 2015 das Jahr mit der zahlenmäßig stärksten Alija aus Westeuropa seit der Gründung Israels. Die Jewish Agency for Israel und der Staat Israel selbst heißen alle, die Israel zu ihrem Zuhause machen und damit den zionistischen Traum in Erfüllung gehen lassen, auch weiterhin sehr herzlich willkommen.

Und doch sollte der Umstand, dass so viele Juden ihre Zukunft nicht länger in Europa sehen, für die politische Elite Europas ein Alarmsignal sein. Wie kommt es, dass Juden sich in Europa immer weniger wohl fühlen? Der Grund liegt in einer vergifteten Kombination aus dem klassischen Antisemitismus der extremen Rechten, dem neuen Antisemitismus der extremen Linken und dem virulenten Antisemitismus des islamischen Extremismus. Dieses Gemisch hat in Europa ein für Juden zunehmend unwirtliches gesellschaftliches Klima geschaffen.

Dabei haben wir es in der Vergangenheit schon allzu oft erlebt, dass Antisemitismus nur ein Warnsignal ist, das einer Bedrohung für alle liberalen europäischen Gesellschaft vorausgeht. Ein wachsender Anteil der europäischen Bevölkerung fühlt sich Europas Werten von Freiheit, Fortschritt und Menschenrechten nicht verpflichtet. Diese grundlegenden Werte der liberalen europäischen Identität sind heute in Gefahr. Es wird ein Krieg geführt gegen das liberale Europa, und je eher die europäischen Gesellschaften dies begreifen, desto besser stehen ihre Chancen, sich dagegen zu verteidigen. 

 
Und doch erleben wir bemerkenswerterweise die genau entgegengesetzte Reaktion. Anstatt sich den sehr realen Bedrohungen zu stellen, die seine Gesellschaft ins Visier genommen haben, richtet Europa seine Kritik gegen Israel, die einzige demokratische Insel im Nahen Osten. Israel, das sich gegen dieselben Kräfte zur Wehr setzt, die auch Europa bedrohen, ist ständig das Objekt europäischer Kritik und Schmähung. In der Wirtschaft werden seine Waren gekennzeichnet, in der Politik seine Demokratie in Frage gestellt.

Man wird sich schwer tun, ein Land zu finden, das sich einer derartigen Häufung von Kritik ausgesetzt sieht wie Israel. Israel verfügt über eine sehr lebendige Demokratie, und die leidenschaftlich geführte Debatte ist ein Konstituens der israelischen Öffentlichkeit. Doch darf Kritik von außen sich niemals in den trüben Untiefen des Antisemitismus verfangen. Um zwischen legitimer Kritik und einer Befürwortung der Zerstörung Israels unterscheiden zu können, habe ich vor einiger Zeit das sogenannte 3D-Prinzip vorgeschlagen, mit dem die einzelnen Aspekte der klassisch-antisemitischen Agitation gegen Juden bestimmt werden können: Doppelte Standards, Delegitimierung und Dämonisierung. Wenn Israel als durch und durch bösartig dargestellt wird; wenn Israels Recht auf seine schiere Existenz in Frage gestellt wird; wenn Israel an Maßstäben gemessen wird, die an kein anderes Land der Welt angelegt würden - dann hat man es nicht länger mit normaler Kritik zu tun. Derartige Umtriebe müssen als das erkannt werden, was sie sind: Bestrebungen eines neuartigen Antisemitismus, den israelischen Staat auszulöschen, genauso, wie der klassische Antisemitismus bestrebt war, die Juden auszulöschen.

Das freiheitliche Europa muss dabei verstehen, dass Angriffe auf Israel und auf die europäische Zivilisation ein und dasselbe sind. Europa darf sich gerade darum dem neuen 3D-Antisemitismus nicht als Handlanger andienen, sondern muss gemeinsam mit Israel den gemeinsamen Feind bekämpfen. Denn wenn Europa tatenlos zusieht, wie Juden und ihr Staat unter Feuer geraten, dann wird dieses Schicksal die Nichtjuden früher oder später ebenso ereilen.

Und hier kommen Sie, lieber Leser, ins Spiel. Als Schirmherr des Jüdischen Zentrums für Medienkompetenz an der Europäischen Janusz Korczak Akademie freut es mich zu sehen, dass die Medienangebote der Akademie den Namen „Medienkompetenz und Leadership“ tragen. Dahinter steht der Bedarf an engagierten, gebildeten und motivierten jungen Juden, die Führungsrollen übernehmen müssen. Der erste Schritt auf dem Weg zur Bekämpfung der verhängnisvollen Kräfte, die die Juden und ganz Europa bedrohen, besteht darin, unsere eigene Sichtweise selbstbewusst zu formulieren und für unsere Werte einzustehen. Durch Ihre medialen Tätigkeit und durch die Schaffung eigener Projekte und Initiative haben Sie die Möglichkeit, positive Veränderungen zu erreichen - zum Wohle Ihrer Gesellschaft und Ihrer Gemeinde, zum Wohle des europäischen Judentums und ganz Europas.

 
Ihr Erfolg ist auch unserer. Behatzlacha.
 
Natan Sharansky
Vorsitzender der Jewish Agency for Israel