Die Europäische Janusz Korczak Akademie ist ein Partner der Jewish Agency for Israel.

Wie BDS versucht, Israel von der kulturellen Landkarte zu entfernen

Ein Kommentar von Konstantin Schuchardt

In der Berliner Kulturbrauerei trafen sich vom 23. bis 25. August Musiker und Fans zum 3. Pop-Kultur-Festival. Die Auftritte von internationalen Künstlern wurden jedoch von einem antisemitischen Boykottversuch durch die BDS-Bewegung überschattet.

Die BDS-Bewegung, BDS steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen, ist eine internationale politische Kampagne, die den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren und letztendlich zerstören will. Israel, aber auch seine Bürger, sollen aus der Weltgemeinschaft ausgeschlossen werden, dazu ist der von den großen deutschen Parteien als antisemitisch eingestuften Gruppe jedes noch so infame Mittel recht. Durch den Boykott israelischer Produkte soll die Wirtschaft des Landes in die Knie gezwungen werden. Die gezielten Aktionen gegen israelischen Wissenschaftler und Künstler sollen sie isolieren und den internationalen Austausch und Dialog sabotieren.

Warum gerade das 3. Pop-Kultur-Festival in Berlin ins Visier der Antisemiten geriet? Eine israelische Musikerin erhielt einen Reisekostenzuschuss über 500 Euro von der israelischen Botschaft, um in Berlin aufzutreten. Grund genug für BDS, alle eingeladenen Künstler in einem persönlichen Schreiben zur Absage ihrer Auftritte aufzufordern. Tatsächlich kamen einige Acts, vor allem aus arabischen Ländern, aber auch aus Finnland und Großbritannien, dem Aufruf nach.

Die Berliner Kulturstaatssekretärin Monica Grütters zeigte sich gegenüber Zeit Online entsetzt: „Historisch haben wir gerade in Berlin bittere Erfahrungen mit der Unterdrückung von Meinungs- und Kunstfreiheit gemacht. Ich finde es unerträglich, dass antiisraelische Hetze erst Künstler aus arabischen, dann auch aus europäischen Ländern veranlasst hat, ihre Auftritte bei uns abzusagen.“

Traurig ist, dass arabische Künstler mittlerweile genötigt sind, den Boykottaufrufen nachzukommen, da sie ansonsten in ihrer Heimat Repressionen und Diffamierungen fürchten müssen.

Es ist für die jüdische Gemeinschaft weltweit besorgniserregend, dass israelische Kulturschaffende systematisch ausgegrenzt werden sollen, denn nicht nur Israelis sind betroffen. Juden, die Israel nicht offiziell verurteilen, werden ebenfalls zur Zielscheibe des Hasses.

Seit Richard Wagner ist es antisemitische Tradition, Juden aus Kunst und Kultur fernzuhalten, und auch wenn sich dieses Mal Politik und Öffentlichkeit auf die Seite von Kunstfreiheit und Menschenrecht gestellt haben, gilt es jetzt mehr denn je, sich für Pluralismus in Kunst und Kultur zu engagieren und im Falle BDS das Kind beim Namen zu nennen - als „Kauft nicht bei Juden!“ in hipper Klamotte - um Antisemiten nicht den Diskurs zu überlassen.

Konstantin Schuchardt, aufgewachsen in Berlin, studierte Judaistik, Semitistik und Kulturwissenschaft an der Freien Universität Berlin und Frankfurt an der Oder. Er arbeitet derzeit an seinem Promotionsvorhaben im Bereich Jüdische Studien und schreibt für die Jüdische Allgemeine. Seit April 2017 ist der ELES-Alumnus Leiter des Jüdischen Zentrums für Medienkompetenz und Teil des Teams des Janusz Korczak Hauses Berlin.