Die Europäische Janusz Korczak Akademie ist ein Partner der Jewish Agency for Israel.

Nachlese zum Schwerpunkttag Medien am 30. April 2017

"Jüdische Identitäten in den Medien" – gibt es sie und wenn ja, was macht sie aus? Diese Frage bildete das Leitmotiv des diesjährigen Schwerpunkttages Medien des Jüdischen Zentrums für Medienkompetenz.

Die Europäische Janusz Korczak Akademie und The Jewish Agency for Israel luden am Sonntag, den 30. April 2017, in die Räume des Zentralrates der Juden in Berlin ein, um in drei Gesprächsrunden die Rolle jüdischer Positionen und Akteure in den deutschen Medien zu diskutieren.

Die Veranstaltung wurde von Eva Haller, Präsidentin der Akademie, eröffnet. Daniel Botmann vom Zentralrat der Juden in Deutschland sowie die beiden Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier (SPD) und Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) hielten jeweils Grußworte.

In der ersten Gesprächsrunde diskutierten der Jurist und Publizist Prof. Dr. Dr. Michel Friedman und der Medienwissenschaftler Dr. Oren Osterer über den Begriff der Medienethik sowie die Rolle der Medien bei Sozialisierung und Identitätsstiftung, wobei insbesondere die Wandlungen der Medienlandschaft im Internetzeitalter im Fokus standen.

Prof. Friedman hob – trotz Online-Hetze und Fake News – vor allem die demokratisierende Wirkung des Internets auf mediale Diskurse hervor, forderte aber eine Bildungsinitiative bereits ab der Grundschule, um Medienkompetenzen möglichst frühzeitig an die nächste Generation zu vermitteln.

In der darauffolgenden Podiumsdiskussion erörterten die Psychologin Marina Chernivsky und die Medienwissenschaftlerin Dr. Lea Wohl von Haselberg im Gespräch mit dem Journalisten Fabian Wolff die Perspektiven junger jüdischer medialer Intervention. Chernivsky und Haselberg, Mitherausgeberinnen der neu gegründeten halbjährlichen Zeitschrift Jalta, betonten die Wichtigkeit eigener, auch kritischer jüdischer Positionen als Werkzeug des Empowerment gegenüber Fremdzuschreibungen durch Medien der nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft.

Zum Abschluss des Tages moderierte Osterer eine Podiumsdiskussion mit den Journalisten Peter Finkelgruen und Richard C. Schneider sowie dem Juristen und politischen Aktivisten Dr. Sergey Lagodinsky. Unter dem Überthema Jüdische Stimmen in den Medien Erfahrungen und Strategien schilderten Schneider und Finkelgruen ihre teils schwierigen Erlebnisse als jüdische Akteure im deutschen Hörfunk und Fernsehen seit den Achtzigerjahren und verwiesen dabei auch auf das ihrer Meinung nach unverändert alles andere als normale Verhältnis der deutschen Medien zu Juden und Israel.

Lagodinsky, selbst als Publizist und politischer Aktivist sowohl Subjekt als auch Objekt medialer Berichterstattung, appellierte an alle Juden, ihre eigenen Positionen einzubringen und sich aktiv in Diskurse einzumischen, denn trotz Israelhass und Antisemitismus sei Deutschland ein demokratisches Land, welches das Recht auf Pressefreiheit garantiere.

Die anschließende, rege Diskussion mit dem Publikum wurde durch ein konziliantes Schlusswort von Eva Haller abgerundet, die zugleich die Tür für eine – notwendige – Fortsetzung des Gespräches weit offenließ.

Flyer und Medien

Im Gespräch: Roman Haller, Michel Friedman, Eva Haller

Michel Friedman und Oren Oster

Sergey Lagodinsky und Volker Beck

Jalta-Herausgeberinnen: Marina Chernivsky und Lea Wohl von Haselberg

Oren Oster, Sergey Lagodinsky, Richard Chaim Schneider und Peter Finkelgruen