Die Europäische Janusz Korczak Akademie ist ein Partner der Jewish Agency for Israel.

Lernreihe München: Terminübersicht


 

Lernreihe: „Vielfalt der Identitäten in der jüdischen Welt“

 
„Wenn ich ich bin, weil du du bist, und du bist du, weil ich ich bin, dann bin ich nicht ich und du bist nicht du bist. Aber wenn ich ich bin, weil ich bin ich und du bist du, weil du du bist, dann bin bin ich und du bist du!“
- Rebbe Menachem Mendel Morgensztern von Kotsk
 
Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Identität“ hat im Judentum eine lange und umfassende Tradition: Die berühmte Frage „Wer ist Jude?“ figuriert schon in der Mischna, der mündlichen Torah – seitdem wird sie immer wieder neu gestellt und auch noch heute heiß diskutiert. Gleichzeitig hatte für Juden der Begriff „jüdische Identität“ immer einen engen Bezug zu einem anderen Begriff: „jüdischer Pluralismus“. Die Vielfalt jüdischer kultureller Hintergründe, jüdischer Traditionen, jüdischer Lebenswelten ist auch heute ein Charakteristikum der jüdischen Gesellschaft – in Israel wie auch in Amerika oder Europa.

Dem Themenkomplex „jüdische Identität(en)“ widmen sich die diesjährigen Lernreihen der Europäischen Janusz Korczak Akademie in den jeweiligen Janusz Korczak Häusern, die sich gleichermaßen an jüdische und nichtjüdische Interessierte richten. Die Auseinandersetzung findet anhand von Texten, historischen Ereignissen und aktuellen Beispielen statt.


 
Bei regelmäßiger Teilnahme kann ein Fortbildungszeugnis erworben werden.

Die Teilnahmegebühr für die Lernreihe im
Janusz Korczak Haus München beträgt 36 Euro.
Eine ermäßigte Gebühr in Höhe von 18 Euro kann
für Studierende und Arbeitssuchende gewährt
werden.

Der Kurs findet mit einer Mindestzahl von acht Teilnehmenden statt.

Verbindliche Anmeldungen richten Sie bitte an veranstaltungen@ejka.org.

Übersicht: Termine der Lernreihe 2016/17 in München

Einführung: Jüdische Identitäten aus der Sicht der talmudischen Weisen

Schon Awraham hat sich die Fragen gestellt: Wer ist ein Jude? Was ist ein Jude?

Am ersten Lernabend werden wir uns mit der jüdischen Identität im religiösen Sinne beschäftigen. Wie haben die Rabbiner und Gelehrte einen festen Rahmen von Gesetzen und Auslegungen entwickelt, um die Fragen nach der jüdischen Identität zu beantworten?

Referent: Rabbiner Steven Langnas


 
Mittwoch, 14. Dezember 2016, 20 Uhr

Janusz Korczak Haus München

Bin ich Jude? Deutscher? Russe? – Zwiespalt der Identitäten

Unsere Zeitreise durch die Geschichte beginnt.  Seit der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem im Jahre 70 ist das jüdische Leben in der Diaspora durch die Frage geprägt, wie die jüdische Identität mit der Rolle als Bürger/in verschiedener Länder zu vereinbaren ist. Dabei beschäftigen wir uns mit den Konvertierungen in Spanien im Mittelalter und analysieren Napoleons Sanhedrin im 19. Jahrhundert.

Referent: Rabbiner Steven Langnas


 
Mittwoch, 11. Januar 2017, 20 Uhr

Janusz Korczak Haus München

Facing the Other in Rabbinic Narrative

Identitätsbildung in multikultureller Umgebung – wie geht das? Schon im 3. und 4. Jahrhundert beschäftigten sich die Juden im Heiligen Land unter der römischen Herrschaft mit dieser Fragestellung. Bei diesem Lernabend wollen wir jedoch auch einen Bogen zu der aktuellen Problematik der Identitätsbildung unter verschiedenen Gesichtspunkten wie z.B. dem Einfluss von jüdischen Immigration oder der Akzeptanz von Fremden aus der rabbinischen Perspektive, spannen.

Referent: Dr. Reuven Kiperwasser

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.


 
Mittwoch, 8. Februar 2017, 20 Uhr

Janusz Korczak Haus München

Judentum als Lebensgefühl – Case Study „Jiddischkeit“

Das Judentum ist viel mehr als eine Religion. Es ist ein Lebensgefühl – ein spirituelles Erlebnis. An diesem Lernabend wollen wir die metaphysischen Elemente der jüdischen Identität diskutieren.

Referent: Rabbiner Steven Langnas


 
Mittwoch, 15. März 2017, 20 Uhr

Janusz Korczak Haus München

Emigration und Identität am Beispiel von ungarischem Judentum

1956 – ein Land kämpft für seine Freiheit. In der heißen Phase des kalten Krieges war Ungarn bereit für eine Revolution. Wie sollte nach dem Neubeginn weitergelebt werden? Welche Werte sollten beibehalten und welche überdacht werden? Welche Auswirkungen hatten die politischen und historischen Geschehnisse auf die jüdisch-ungarische Identität? Die Identitätsfindung anhand des Beispiels der ungarischen Revolution steht im Fokus dieser Lerneinheit.

Referent: Dr. Tamás Kanyó-Fischer


 
Mittwoch, 26. April 2017, 20 Uhr

Janusz Korczak Haus München

Identität der Bergjuden

Zum Abschluss führt uns unsere Spurensuche in den Kaukasus. In einem überwiegend von Muslimen bewohnten Teilgebiet konnte sich eine Gruppe von Juden etablieren. Ihre Lebensweise, Sprache und tiefe Verbundenheit mit der jüdischen Tradition prägte die einzigartige Identität der Bergjuden. Anhand von historischen und aktuellen Beispielen wollen wir die Lebenswelt der Juden aus dem Kaukasus kennenlernen.

Referent: German Djanatliev


 
Mittwoch, 17. Mai 2017, 20 Uhr

Janusz Korczak Haus München

Die Referenten der Lernreihe:

German Djanatliev ist Historiker, Religionslehrer und  Leiter des Jugendzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg. Der Doktorand der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg wurde dieses Jahr zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeinde der Bergjuden in Deutschland gewählt.

Dr. Tamás Kanyó-Fischer wurde in Ungarn geboren, wuchs in der Schweiz auf und studierte in Basel Geschichte, Philosophie und Russistik. Er promovierte in Freiburg/Schweiz zum Thema Grundlagen der Zivilgesellschaft. Zwischen 2000 und 2012 lebte er in Ungarn, wo er sich in Forschung und Lehre an verschiedenen Hochschulen betätigte.

Dr. Reuven Kiperwasser studierte und promovierte an der Talmud-Fakultät der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan. Als Dozent für Rabbinische Literatur war er in Ramat Gan, Jerusalem und Moskau tätig. Zusammen mit Marc Hirschman bereitet er eine kritische Edition des Kohelet Rabbah vor. Derzeit arbeit Kiperwasser am Institut für Judaistik der Freien Universität Berlin.

Rabbiner Steven Langnas wurde in Philadelphia geboren und absolvierte seine Rabbinerausbildung an der New Yorker Yeshiva University. Nach Tätigkeit in der Israelitischen Gemeinde Basel kam er nach München und wirkt seitdem als Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Seit 2011 beschäftigt er sich mit mehreren interreligiösen Projekten in München, ist Hausrabbiner des Saul-Eisenberg-Seniorenheims und Dozent an der Katholischen-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Univertität München. Rabbiner Langnas ist Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD), der Conference of European Rabbis und des Rabbinical Council of America.